„Wir brauchen eine Bewegung der Störenfriede!“

Erste OKG-Konferenz in Kassel am 28./29. Oktober. 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutieren über Erfahrungen aus betrieblichen Kämpfen und Strategien für die Zukunft.

 

„Von den Besten lernen, von euch lernen“, so eröffnete Violetta Bock die erste Tagung von ‚Organisieren – Kämpfen – Gewinnen‘ (OKG), die am 28. Und 29. Oktober in Kassel stattfand. Rund 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus so unterschiedlichen Branchen wie der Pflege, dem Maschinenbau, der Stahlindustrie oder dem Versandhandel, hatten sich zusammengefunden, um genau das zu tun: Aus den Organisierungserfahrungen anderer zu lernen, gemeinsam über wirksame Mittel zu diskutieren, sich im Betrieb durchzusetzen, sich zu vernetzen und so für die kommenden Auseinandersetzungen stärker zu werden. „Von den Arbeitgebern werden Leute wie ihr oft Störenfriede genannt. Wir finden: Tragt den Namen mit Stolz. Wir brauchen eine Bewegung von Störenfrieden!“, so die Botschaft von Michael Heldt vom OKG Team.

Unsere Bewegung steht heute vor enormen Herausforderungen. Wir sehen uns zunehmend systematischen Angriffen der Arbeitgeber gegenüber. Unsere Gewerkschaften sind in der Defensive, ältere erfahrene Generationen kämpferischer Kolleginnen und Kollegen verlassen die Betriebe. Angesichts dessen wollen wir als OKG dazu beitragen alte und neue Störenfriede zu unterstützen, Räume zu schaffen, in denen von- und miteinander gelernt werden kann. So wollen wir dazu beitragen, dass ein Netzwerk der Solidarität und ein Meer der Unruhe entstehen.

Unsere Konferenz hat einen kleinen Beitrag dazu geleistet. Im Mittelpunkt standen die Erfahrungen, die Kolleginnen und Kollegen in ihren betrieblichen Auseinandersetzungen gesammelt haben. Welche Lehren ließen sich daraus ziehen? Was könnte für die Arbeit im eigenen Betrieb mitgenommen werden? Wie könnten wir Angriffen wirkungsvoller begegnen? Als OKG-Team haben wir das Wochenende mit großer Spannung erwartet. Mit zwei Wochen Abstand, Rückmeldungen von Teilnehmern und gemeinsamer Auswertung kommen wir zu dem Ergebnis: Uns ist eine einzigartige Konferenz gelungen, die ein Auftakt für weitere Projekte ist. Für alle, die nicht dabei waren, wollen wir daher zumindest ein paar Eindrücke festhalten.

Das Auftaktpodium zum Thema Union Busting am Samstag Morgen bestritten Betriebsräte aus drei Betrieben. Sie berichteten über die Angriffe der Arbeitgeber, ihre Gegenwehr, aber auch über ihre Lehren daraus, um sich in Zukunft wirkungsvoller zu wehren. Debattiert wurde über den Stellenwert von betrieblichen Aktivenkreisen, einer guten Rechtshilfe, von Öffentlichkeitsarbeit und der möglichen Rolle von Unterstützungs- und Solidaritätskomitees. Memet Özcan (Bauhaus Witten) zeigte gar, wie es ihnen gelang aus der Verteidigung gegen Union Busting-Methoden in die Offensive zu kommen. So berichtete er, wie die gewerkschaftlich organisierten Betriebsräte einer engagierten Kollegin, die gekündigt wurde, den Rücken stärkten und darüber eine großen Teil der KollegInnen für die Gewerkschaftsmitgliedschaft warben. Jene Kollegin wurde zu einer ganztätigen Sitzung des Betriebsrates geladen, statt gekündigt zu Hause zu sitzen. Mit ihr ging man durch die Verkaufsbereiche. Es wurden Anstecker mit einem Herz und ihrem Namen verteilt. Nicht nur Mitarbeiter, sondern Kunden fragten sich „Alle lieben Barbara! Wer ist eigentlich Barbara!?“.

Auch in anderen Workshops am Samstag konnte aus konkreten betrieblichen Auseinandersetzungen, etwa im Rahmen von Tarifkampagnen, gelernt werden. Beispielsweise diskutierten Beschäftigte des Botanischen Gartens in Berlin mit rund 25 KollegInnen über die Organisation ihrer erfolgreichen Tarifauseinandersetzung. Mit einem 20monatigen (!) Arbeitskampf zwangen sie die Freie Universität Berlin schließlich, ihre 100 prozentige Tochter wieder einzugliedern; und setzten so ein dickes Ausrufezeichen im Kampf gegen die Tarifflucht im öffentlichen Dienst. Ihre Lehren: Es braucht eine gemeinsame Strategieplanung durch betriebliche Aktive und eine offensive Öffentlichkeitsarbeit. Wer sich davon inspirieren lassen möchte, sollte einen Blick auf die Homepage der Aktiven werfen (http://www.verdi-botanischer-garten.de/wordpress/category/allgemein/) und das Buch „Der Aufstand der Töchter: Gemeinsam staatlich organisierte prekäre Beschäftigung überwinden“ anschauen.

Um ähnliche Fragen ging es auch im zeitgleichen Workshop mit zwei Aktiven aus der UMG-Gastronomie der Universitätsklinik Göttingen. Konkret: Wie lassen sich auch passivere KollegInnen mitnehmen? Wie gelingt es, auch in anstrengenden und langen Tarifauseinandersetzungen Ausdauer zu bewahren? Im dritten Workshop zu dieser Zeit kamen Erfahrungen rund um das Thema Betriebsratsarbeit aus ganz unterschiedlichen Bereichen zusammen. So ging es in dem extrem prekären, und dezentralen Bereich der persönlichen Assistenz eher um den Aufbau von Betriebsrats- und Gewerkschaftsstrukturen durch Patensysteme. Während auf der anderen Seite ein Kollege aus einer eher klassischen IG Metall Hochburg, einem hoch organisierten Stahlbetrieb, davon erzählte, wie es ihnen gelang eingefahrene Routinen der Stellvertreterpolitik zu überwinden und die gewerkschaftliche Arbeit im Betrieb wieder mit Leben zu füllen.

Später am Tag gaben zwei zeitgleiche Organizingworkshops erste Einblicke in das von OKG übersetzte Buch „Geheimnisse einer erfolgreichen Organizerin“. Es wird Mitte Dezember im Schmetterling Verlag erscheinen und ist ein systematischer Leitfaden für den Aufbau von aktiven Gewerkschaftsgruppen, die nicht nur während der Tarifrunde, sondern täglich im Betrieb spürbar sein wollen. Es kann beim Verlag oder direkt bei OKG via Mail an info(at)okg-mail.de bestellt werden.

Zudem gab es, eher theoretisch, ein Abendpodium mit tie (transnational information exchange) und express, Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit, zum Thema „Gewerkschaft als soziale Bewegung“ sowie, ganz konkret, Branchenworkshops zur direkten Vernetzung und gemeinsamen Absprachen.

Wie wichtig auch unabhängig agierende Betriebsgruppen sind, zeigte das Abschlusspodium, das am Sonntagmittag stattfand. Beschäftigte aus der Berliner Charité und von Amazon Bad Hersfeld zeigten, wie der systematische und basisorientierte Aufbau nicht nur die Durchsetzungskraft im Betrieb stärkten, sondern auch zu einer offensiven Ausrichtung der Gewerkschaftsarbeit beitragen kann.

Durch die Konferenz haben wir viele neue Impulse gewonnen, neue Ideen sind entstanden, neue Kontakte konnten geknüpft werden. Oder um es mit den Worten unserer TeilnehmerInnen zu sagen:

„Sehr gehaltvoll, kurzweilig, zeigt viele Möglichkeiten für mich, weil ich kann mich ja selbst nicht mit allem beschäftigen. Das geht nur über den Austausch“ (Memet, Bauhaus Witten)

„Der Vorteil hier ist, dass es auch mal an die kleine praktische Arbeit geht. Ohne die Gewerkschaften geht’s nicht, aber die können nur unterstützen, machen müssen wir es selber und hier wird endlich mal darüber geredet, wie wir’s, als Beschäftigte, zusammen machen“ (Roland, Botanischer Garten Berlin)

Die nächste OKG-Konferenzen wird erst wieder in zwei Jahre stattfinden. Diese Zeit möchten wir nutzen, um einen solchen Austausch für „die kleine praktische“ Arbeit im betrieblichen Alltag auch in kleineren, regionalen Runden zu organisieren. Wer gemeinsam mit uns bei sich vor Ort oder in der Region Workshops auf der Basis der Geheimnisse einer erfolgreichen Organizerin durchführen möchte, erreicht uns unter info(at)okg-mail.de

Um diese Arbeit zu finanzieren, sind wir aber auch auf Spenden angewiesen. Wer uns unterstützen möchte, kann das durch eine einmalige oder eine dauerhafte Spende tun:

Gegenmacht organisieren e.V., IBAN: DE33 5205 0353 0001 1642 20, BIC: HELADEF1KAS

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Video-Clip mit Eindrücken von der Konferenz

 

 

6. und 7. Mai in Kassel

Du willst an deinem Arbeitsplatz einen aktiven Kreis von Kolleginnen und Kollegen aufbauen?

Dann ist die Teilnahme an unserem Wochenendworkshop nur eine kleine Hürde! Hier wird genau das Wissen und die Fähigkeiten vermittelt die du an deinem Arbeitsplatz brauchst.
Kolleginnen und Kollegen, die im Laufe der Zeit mit verschiedensten Werkzeugen Erfahrungen sammeln konnten, führen durch einen spannenden Workshop mit vielen praktischen Tipps.

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Zeit: 8.April 2017

Nicht erst die letzten Jahre haben in der Praxis bewiesen, wie oft das Konzept der Sozialpartnerschaft in der Realität zerbricht. 
Das geht nicht nur der IGBCE so, sondern vielen Gewerkschaftsgliederungen und Initiativen. 

Angeregt durch einige Aktive in der IGBCE haben wir uns entschlossen die Initiative zu ergreifen und dieser Diskussion einen Raum zu geben. Was am Ende dabei rauskommt, welche praktischen Schlüsse gezogen werden können, bleibt den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Workshops überlassen. Wir sind sehr gespannt auf eine spannende Diskussion und die vielfältigen Erfahrungen aus der Praxis.

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Bundesweites Treffen von Postbeschäftigten

Zeit: 17.04.2016

Die Vernetzung und der Austausch geht weiter! Im November 2015 fand das erste bundesweite Treffen von Postbeschäftigten statt. Hauptthema damals war die Auswertung des Streiks. Schnell wurde klar, dass es weitergehen muss, denn nach dem Streik ist vor dem Streik! Die Post hört nicht auf...

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Strategie und Taktik in der Betriebsratsarbeit

Zeit: 12. - 16.09.2016

Es liegt in der Natur der Sache, dass wir uns in der Betriebsratsarbeit oft in Situationen wiederfinden, in denen unsere ursprünglichen Pläne und Vorstellungen zur Verbesserung unserer Arbeitsbedingungen zunichte gemacht werden und wir von den Plänen des Managements vor uns her getrieben werden.

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Gegenmacht oder exklusive Solidarität? Zum Charakter der Gewerkschaften heute

 

Zeit: 11.06.2016, 10.00-17.00 Uhr

Wir wollen uns in diesem Workshop mit der Frage beschäftigen, welche Rolle gewerkschaftliche Organisierung für den Aufbau von Lohnabhängigenmacht gegenwärtig spielt. Wir nähern uns der Frage aus zwei Richtungen, theoretisch und historisch. Theoretisch gehen wir der Frage nach ob und wie Gewerkschaften zum Aufbau von ArbeiterInnenmacht gegenüber dem Kapital beitragen. Ergänzt wird dieser theoretische Zugang durch einen geschichtlichen, indem wir fragen, ob und wie sich dies in verschiedenen historischen Phasen unterscheidet.

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Bericht: Bundesweites Treffen von Postbeschäftigten

Am 22.11.2015 haben sich Postbeschäftigte aus der Brief- und Paketzustellung aus Hamburg, Berlin, Hessen und NRW getroffen. Eingeladen hatte OKG (Organisieren Kämpfen Gewinnen), ein Projekt zur Vernetzung betrieblich Aktiver.

In diesem Rahmen wurden Erfahrungen ausgetauscht und beraten, welche Folgen der vierwöchige Streik im Sommer hatte. Einig war man sich in der Kritik am Ergebnis und der unzureichenden Vorbereitung durch die Organisation ver.di und deren traditionelle gewerkschaftliche Strukturen auf diese Auseinandersetzung. Während die Post AG seit mehr als einem Jahr an der Strategie arbeitete, die Beschäftigten bereits in verschiedene Gruppen gespalten hat und das Unternehmen umstrukturiert, begann in ver.di erst sehr kurz vor dem Streik die Diskussion um den notwendigen Kampf unter komplizierten Bedingungen. Der Streikabbruch ließ viele Kollegen entmutigt und wütend zurück. Sehr konkret wurde diskutiert, wie unterschiedlich der Streik in den verschiedenen Orten und Regionen verlaufen war und wie unterschiedlich die konkreten Bedingungen in den verschiedenen Betrieben sind. Offen gelegt wurde ebenso, wie unterschiedlich Betriebsräte an den verschiedenen Orten arbeiten, in manchen Orten kaum Betriebsversammlungen stattfinden, die Betriebsgruppen völlig unterschiedliche Rollen spielen etc.. Das liefert einen konkreten Anstoß für Ideen, welche Möglichkeiten an den Standorten im eigenen Betrieb auch nach der Tarifrunde umgesetzt werden können.

Genauer eingegangen wurde auf das Verhalten der Post und noch zu erwartende Angriffe auf Beschäftigte, denn klar ist allen, egal wie die Erfahrungen bisher verarbeitet wurden: es muss mit weiteren Angriffen auf die Arbeitsbedingungen in der Branche gerechnet werden. Eine Lösung zu finden in Bezug auf die Arbeitszeitfrage in der Zustellung, in denen Beschäftigte mit zu großen Bezirken konfrontiert sind und zudem die Arbeitsverdichtung stetig zunimmt ist eine praktische Notwendigkeit und kann nicht auf die lange Bank geschoben werden. Die Post wird absehbar versuchen den Montag als Regelzustelltag nach Bedarf auszuschleichen – geht hier aber ortsgebunden sehr unterschiedlich vor, so dass ein Widerstand gegen diese Flexibilisierung nur in dem Maße realistisch wird, in dem der Austausch unter den verschiedenen Belegschaften organisiert werden kann.

Sich bundesweit unter Kolleginnen und Kollegen zu vernetzen ist für die gewerkschaftlich Aktiven der Post ein neuer und positiver Schritt. Es wurde gewünscht, dass dies weiter geführt werden soll – sowohl um die eigene Arbeit vor Ort zu stärken als auch bundesweite Themen gemeinsam aufzugreifen. Am 17.4.2015 findet das nächste bundesweite Treffen statt.

Wer Interesse an der weiteren Vernetzung hat, kann sich unter info(at)okg-mail.de melden.

Bundesweites Treffen von Postkollegen und Postkolleginnen

Zeit: 22.11.2015, 10-17 Uhr, Ort: Kassel

Am Sonntag, den 22.11.2015 findet in Kassel ein bundesweites Treffen zum Auswerten, Vernetzen und zur Strategieplanung für Postbeschäftigte statt. Viele sind wütend über das Ergebnis des Streiks, manche denken über eine andere Gewerkschaft nach, andere wie man in ver.di mehr Demokratie durchsetzen kann, wieder andere sind ratlos, wie man nun weiter vorgehen kann. Aber es geht immer noch darum, wie die Interessen gegenüber der Post durchgesetzt werden können und wie man sich gut organisieren kann.

Während man im Streik Kontakte zu anderen Kolleginnen und Kollegen knüpfen konnte, blieb die bundesweite Vernetzung aus. Das gilt es Nachzuholen. Welche Erfahrungen habt ihr während dem Streik gesammelt? Was sind nun die nächsten Schritte? Was für eine Gewerkschaft wünscht ihr euch dafür? Wir laden daher alle Postbeschäftigten zu einem bundesweiten Treffen ein und freuen uns, wenn ihr die Einladung an Postbeschäftigte weiter gebt.

Anmeldung unter info@okg-mail.de bis zum 15.11.2015.

Es kann auch eine private Übernachtung organisiert werden, wenn ihr Samstag anreist und euch schon mal in lockerer Runde austauschen wollt.

OKG e.V. – Organisieren Kämpfen Gewinnen – ist ein unabhängiger Bildungsverein zur Vernetzung betrieblich Aktiver und zur Organisierung des überregionalen und branchen- sowie gewerkschaftsübergreifenden Erfahrungsaustausch von aktiven Kollegen und Kolleginnen. OKG tritt ein für Gewerkschaftsdemokratie, gewerkschaftliche Stärke im Betrieb und internationale Zusammenarbeit.

Workshop für Betriebsräte „Ein Jahr Betriebsratsarbeit – ein Resümee“

Zeit: 14./15.3.2015; Ort: Kassel

Viele Betriebsräte verbinden mit der „Instanz Betriebsrat“ Hoffnungen zur effektiveren Durchsetzung ihrer Interessen. Andere haben sich gar nicht erst wählen lassen, weil sie die BR-Arbeit als organisiertes Co-Management wahrnehmen und daher ablehnen.

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Taxi Workshop: Wohin steuert uns der gesetzliche Mindestlohn?

Zeit: Kassel, 22.06.2014. 12-18 Uhr

Wohin steuert uns der gesetzliche Mindestlohn? Welche Folgen ergeben sich für das Taxigewerbe?

2015 soll der gesetzliche Mindestlohn eingeführt werden. Wie die Regelungen genau aussehen werden ist noch unklar. Klar ist allerdings, dass dies erhebliche Folgen hat für Menschen die im Taxigewerbe arbeiten – einer Branche, in der...

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