Konferenz gegen BR-Mobbing in Mannheim
von Violetta Bock

Am 17.Oktober fand die siebte Konferenz «Betriebsräte im Visier – Bossing, Mobbing & Co.» statt. Nicht online, sondern physisch trafen sich rund 100 Teilnehmende im Gewerkschaftshaus in Mannheim. Viele weitere standen auf der Warteliste, doch die Abstandsregeln ließen nicht mehr zu.

Die sechsstündige und alljährlich stattfindende Konferenz machte deutlich, was in den letzten Jahren auf diesem Gebiet erreicht worden ist. Nicht umsonst begann jeder Referent und auch viele TeilnehmerInnen ihren Beitrag mit einem aufrichtigen Dank an die OrganisatorInnen des Komitees «Solidarität gegen BR-Mobbing!» in Mannheim.
Im ersten Block legte Carl-Friedrich Bossert für die IG Metall Vorstandsverwaltung Rechenschaft ab, was die Organisation bisher auf den Weg gebracht hat, um der Gewerkschaftsbekämpfung, dem sog. Union-Busting, etwas entgegenzusetzen. Gemäß den Beschlüssen auf den Gewerkschaftstagen 2015 und 2019 ist die IG Metall beauftragt, Anlaufstellen und eine Task Force einzurichten.
Tatsächlich konnte die IG Metall vorweisen, dass das Thema in Frankfurt angekommen ist und daran gearbeitet wird, es in der Fläche zu verankern. So wurden inzwischen nicht nur eine zentrale Anlaufstelle und regionale Ansprechpersonen eingerichtet, sondern ebenso Material als Hilfestellung für Ehren- und Hauptamtliche erstellt.
Es wird auch ein Antrag für den nächsten Gewerkschaftstag vorbereitet, der noch aktiven Betriebsräten, denen das Gehalt unterschlagen wird, finanzielle Hilfe zusichert. Zudem steht eine psychosoziale Beratung nun auch Ehrenamtlichen offen. Die Anlaufstelle muss allerdings noch bekannter werden, und vor allem sind noch nicht zusätzliche Ressourcen und Personal bereitgestellt worden. Die IG Metall ist damit allerdings insgesamt anderen Gewerkschaften um Längen voraus.
Bei den Strategien dagegen wies Bossert ebenso wie andere Redner vor allem auf eins hin: Betriebsräte werden gemobbt, wenn und weil sie die Interessen der Beschäftigten vertreten. Eine der Hauptstrategien dagegen besteht daher genau darin: sich nicht beirren lassen und auf den Zweikampf des einzelnen BR-Mitglieds gegen den Arbeitgeber einlassen, sondern weiter helfen, die Interessen der Beschäftigten durchzusetzen. Denn, so führte Bossert aus, Öffentlichkeitsarbeit und erfolgreiche juristische Auseinandersetzungen können zwar Luft verschaffen, aber für einen nachhaltigen Erfolg führt kein Weg daran vorbei, Mehrheiten in der Belegschaft herzustellen und sich gemeinsam gegen die Unternehmensinteressen zu organisieren.
Dabei ist das zentrale Schlagwort Organizing. Warum und mit welchen Schritten, stellte Alexander Mohrlang im zweiten Block vor. Er berichtete dabei von zahlreichen Beispielen, die er im Rahmen des gewerkschaftlichen Erschließungsprojekts in Mannheim sammeln konnte.
In einem dritten Block beleuchtete der Rechtsanwalt Dietrich Growe mit anschaulichen Beispielen die rechtlichen Möglichkeiten. Er berichtete von dem Wunsch vieler Betroffener nach einem Strafverfahren gegen die kriminellen Machenschaften dieser Bosse. Bevor solch ein Schritt erwogen wird, empfahl er andere Schritte, die ebenso darauf zielten, die Belegschaft hinter sich zu versammeln und den Chef vor weiteren Drangsalierungen zu warnen. Hilfreich könne dabei auch eine Abmahnung der Geschäftsleitung durch den Betriebsrat oder die Nutzung der sog. Geschäftsherrenhaftung sein.
In der letzten Runde stellten sich die Initiativen vor, die mit zur Konferenz aufgerufen hatten und an verschiedenen Orten aktiv sind (Kassel, Köln, Mannheim, Oberhausen…).
Den OrganisatorInnen der Konferenz gelang es mit der Tagung, über den aktuellen gewerkschaftspolitischen und rechtlichen Stand zu informieren, dabei auch eine Rückkopplung zu den Aktiven herzustellen und letzteren vor allem auch einen Ort der Solidarität zu bieten, an dem sie sich austauschen und gehört werden.

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